Wenn KI die Software selbst ersetzt – warum der nächste Tech-Umbruch gerade beginnt
Cowork Plugins –
Oder: Wie Claude zum Spezialisten wird
Anthropic hat Ende Januar »Cowork PlugIns« gelauncht – keine Add-ons, keine Features, sondern Wissenspakete, die aus einer generischen KI einen spezialisierten Experten machen. In diesem Blogartikel erklären wir, was PlugIns sind, wie sie funktionieren und ob Du sie brauchst.
Was sind PlugIns?
Ein PlugIn ist ein Bundle aus vier Komponenten:
Skills (was kann die KI?), Connectors (welche Tools nutzt sie?), Slash Commands (wie rufst Du sie auf?) und Sub-Agents (spezialisierte Mini-KIs für komplexe Aufgaben).


Ein konkretes Beispiel – das Sales-PlugIn
- **Skill:** "Prospect Research durchführen"
- **Connector:** Zugriff auf Dein CRM plus LinkedIn
- **Command:** `/prospect [Firmenname]`
- **Agent:** Analysiert Unternehmensdaten automatisch
Du tippst: `/prospect Tesla`
Claude greift auf Dein CRM zu, schaut auf LinkedIn, sucht aktuelle News und gibt Dir eine Zusammenfassung mit konkreter Empfehlung – alles in einem Durchgang, ohne dass Du zwischen Tools wechseln musst.
Und das alles in einem Paket.
Was Cowork PlugIns anders macht
PlugIns gibt es überall … WordPress hat PlugIns, Chrome hat Extensions, ChatGPT hat Custom GPTs. Was also ist an Cowork anders?
1. Sie sind dateibasiert
Das klingt technisch, ist aber, um in ChatGPT-Sprache zu bleiben – revolutionär; denn wenn man ein Sales-PlugIn herunterlädt, bekommt man keine Black Box, sondern lesbare Text-Dateien:
```
sales-plugin/
├── skills.md
├── connectors.json
├── commands.yaml
└── agents/
└── prospect-research.md```

Du kannst die PlugIns in einem Texteditor öffnen, lesen was darin steht, anpassen wie Du willst, in Git versionieren und mit Deinem Team teilen.
Das ist nicht mehr 'nur Software', sondern das sind komplett strukturierte Dokumente.
2. Sie sind lokal gespeichert
Cowork-PlugIns bleiben auf Deinem Rechner – nicht in Anthropic's Cloud, nicht in einem proprietären System, sondern in einem Ordner, den Du kontrollierst. Was das bedeutet: DSGVO-konform, volle Kontrolle, offline verfügbar, Backup möglich, Migration möglich. Du besitzt die PlugIns. Nicht Anthropic.

3. Sie sind anpassbar (ohne Code)
»Aber Hey-I, ich bin doch kein Entwickler!«
Richtig. Du brauchst auch zum Anpassen keine Entwicklerkenntnisse. Anthropic liefert ein PlugIn namens »Plugin Create/Customize«, das Dir ermöglicht, bestehende PlugIns durch einfache Sprache anzupassen.
Wie das funktioniert
Du: »Ich brauche das Sales-PlugIn, aber für Zahnärzte.«
Claude (mit dem PlugIn) lädt das Sales-Plugin, fragt dich »Was ist anders bei Zahnärzten?«, Du erklärst »Wir schauen auf Praxisgröße, nicht Firmengröße«, und Claude passt die Dateien entsprechend an.
Eben kein Code, sondern Anpassung über ein Gespräch.
Die 11 Starter-PlugIns
Anthropic hat 11 PlugIns Open Source erstellt – von Productivity (Aufgaben, Kalender, persönliche Workflows) über Enterprise Search (Durchsuche Firmen-Tools und Dokumente) bis hin zu spezialisierten Plugins für Sales, Finance, Data, Legal, Marketing, Customer Support, Product Management und sogar Biology Research.
Das Plugin Create/Customize ermöglicht, diese Startpunkte anzupassen. Du nimmst eins, passt es an Deinen Kontext an und nutzt es.
Wie kommt man an die Plugins?
Über drei Wege
Direkt in Cowork installieren (integrierter Marketplace, ein Klick, läuft sofort), von der Website laden (claude.com/plugins-for/cowork, Download, manuell installieren) oder von GitHub forken (github.com/anthropics/knowledge-work-plugins für Entwickler mit vollständigem Source Code).
Sie landen auf Deinem Rechner und nicht in der Cloud.
Ein konkretes Beispiel
Du führst ein kleines Consulting-Unternehmen und willst, dass Claude Dir bei Sales hilft.
Tag 1: Installation
Öffne Cowork, geh zu Plugins, installiere »Sales Plugin« – fertig in 5 Minuten.
Tag 2: Nutzung
Du tippst `/prospect Mittelstand GmbH` und Claude greift auf dein CRM zu, schaut LinkedIn an, liest aktuelle News und gibt dir zurück: »Das Unternehmen wächst gerade, sie suchen KI-Expertise, dein Einstieg wäre über Effizienzgewinne.«
Tag 3: Anpassung
Du merkst »Das funktioniert, aber ich brauche auch einen DSGVO-Check« und sagst Claude »Ergänze das Sales-Plugin um DSGVO-Compliance-Prüfung bei jedem Prospect« – Claude passt das Plugin entsprechend an.
Tag 4: Weitergabe
Du exportierst das angepasste Plugin, gibst es deinem Team und alle nutzen denselben optimierten Prozess.
Kein IT-Team nötig.
Für Kleinstfirmen ohne IT
»Wir sind 12 Leute und haben keine IT-Abteilung.«
Perfekt – Plugins sind genau für Dich gemacht, weil sie auf drei Ebenen funktionieren, die keine technische Expertise erfordern.
Die drei Ebenen
Ebene 1: Nutzen (jeder)
Plugin installieren, Slash-Command eintippen, Ergebnis bekommen.
Ebene 2: Anpassen (jeder mit Claude)
Claude sagen was anders sein soll, Claude macht die Änderungen, fertig.
Ebene 3: Bauen (optional, für Entwickler)
Eigenes Plugin von Grund auf mit voller Kontrolle und maximaler Flexibilität.
Die meisten Firmen bleiben bei Ebene 1–2.
Das reicht.
Was Plugins NICHT sind
Plugins sind keine perfekte Lösungen aus der Box, nicht universell für jede Branche passend, nicht als Ersatz für eigenes Nachdenken gedacht, nicht magisch automatisiert und nicht ohne jede Einarbeitung nutzbar. Plugins sind Startpunkte. Strukturierte Vorlagen, die anpassungsbedürftig sind, eine Lernkurve haben und für den eigenen spezifischen Kontext optimiert werden müssen.
Die Grenzen
Grenze 1: Noch jung
Cowork PlugIns sind seit Ende Januar 2026 verfügbar – das ist sehr neu, was bedeutet dass es noch wenig Community-PlugIns gibt, wenig etablierte Best Practices, mögliche Bugs und zu erwartende Veränderungen.
Heißt: Du bist Early Adopter.
Das hat Vorteile (du lernst früh) und Nachteile (nicht alles ist ausgereift).
Grenze 2: Aktuell lokal
PlugIns sind lokal gespeichert, was gut für DSGVO ist, aber schlecht für Team-Sharing – aktuell hat jeder seine eigenen PlugIns auf seinem Rechner, während org-weites Sharing, private Plugin-Marketplaces und zentrales Management zwar angekündigt sind, aber erst noch kommen.
Grenze 3: Cowork-spezifisch
Die Plugins laufen in Cowork – nicht in Claude.ai, nicht in der API, nur in Cowork Desktop, was bedeutet, Du benötigst die Desktop-App und kannst sie nicht im Browser nutzen.
Aber: Die Struktur ist portabel.
Du könntest die Logik theoretisch in andere Tools übertragen, nur nicht 1:1 copy-paste.
Warum das trotzdem interessant ist
Weil es zeigt, wohin die Reise geht – PlugIns sind der Anfang eines Patterns, das zum Standard werden wird.
Das Pattern:
Generisches KI-Tool (Claude) plus spezialisiertes Wissen (Plugin) = maßgeschneiderter Experte.
Das wird sicherlich Standard – nicht nur bei Anthropic, bei allen Anbietern. Wer jetzt versteht wie das funktioniert, hat in 2 Jahren Vorsprung.
Praktische Schritte
Diese Woche:
Schritt 1: Lade Cowork Desktop herunter, installiere es und starte es einmal.
Schritt 2: Installiere »Productivity« oder »Sales«, probiere einen Slash-Command und schau was passiert.
Schritt 3: Sag Claude »Ändere dieses Plugin für [deine Branche]«, schau wie Claude die Dateien anpasst und verstehe das Prinzip.
Schritt 4: Evaluiere ob das in deinem Business funktionieren könnte, welche Prozesse sich eignen würden und wer im Team es nutzen würde.
Das dauert ca. 2 Stunden und zeigt Dir, ob PlugIns für Dich relevant sind.
Unsere Einschätzung
PlugIns sind eine interessante Innovation – dateibasiert und portabel, gut für DSGVO, anpassbar ohne Code, ein konkreter Blick in die Zukunft.
Noch sehr jung, Cowork-spezifisch, nicht für jeden Use Case geeignet, mit Einarbeitung verbunden und noch in aktiver Entwicklung.
Für wen lohnt es sich?
Firmen die schon Cowork nutzen, Early Adopters die experimentieren wollen, Teams die Prozesse standardisieren wollen, Berater die wiederverwendbare Lösungen bauen wollen.
Für wen (noch) nicht?
Absolute KI-Anfänger, Firmen ohne klare Prozesse, Teams ohne Zeit für Experimente, kritische Produktiv-Systeme.
Volker hat dazu einen LinkedIn-Post veröffentlicht, der davon berichtet, dass die Börsen dramatisch auf die Nachricht reagiert haben und Software-Werte in den Keller gerauscht sind. Denn wer braucht in Zukunft noch teure Lizenzen, wen das über einfache Plugins gelöst werden kann?

https://www.linkedin.com/in/volker-schrader-smd-marken-und-kreativagentur-darmstadt/recent-activity/all/
und natürlich: Vernetzt Euch gerne.
Zusammenfassung
Was sind Cowork Plugins?
Wissenspakete, die Claude zum Spezialisten machen.
Was macht sie besonders?
Dateibasiert, lokal gespeichert, anpassbar ohne Code.
Was du jetzt tun kannst
1. Informiere dich unter claude.com/plugins-for/cowork
2. Installiere Cowork, wenn du es noch nicht hast.
3. Teste ein Plugin für 30 Minuten.
4. Entscheide: Relevant für mich? Ja oder Nein.
Sprich uns einfach an, wenn Du genauer wissen möchtest wie Du die PlugIns verwenden kannst oder wenn Du sie in Dein Team einarbeiten willst.
Sie wollen noch näher am KI Universum sein?
Dann ist unser hey-i Newsletter genau das Richtige für Sie!
Wir geben kuratierten Input, teilen unser Insiderwissen und zeigen die neuesten Anwendungen und die wirklich relevanten Prompts & Tools.